„Wenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre“, rief er seinen Kritikern entgegen, „würde ich Sie jetzt über den Haufen schießen!“ Rolf Dieter Brinkmann war als Provokateur, Außenseiter und Wegbereiter von Popliteratur eine der bedeutendsten Figuren des deutschen Literaturbetriebs. Ein Dichter, der die verknöcherte Gesellschaft der 60er und 70er Jahre rücksichtslos verurteilte, Autoren...
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„Wenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre“, rief er seinen Kritikern entgegen, „würde ich Sie jetzt über den Haufen schießen!“ Rolf Dieter Brinkmann war als Provokateur, Außenseiter und Wegbereiter von Popliteratur eine der bedeutendsten Figuren des deutschen Literaturbetriebs. Ein Dichter, der die verknöcherte Gesellschaft der 60er und 70er Jahre rücksichtslos verurteilte, Autoren bei ihren Lesungen beschimpfte und den Kulturbetrieb genauso verschreckte wie faszinierte.
Brinkmann war Protagonist einer Szene, die Mitte der 60er Jahre alles Hochkulturelle über Bord warf und sich im Underground verortete. „Keiner weiß mehr“ (1968) erzählt eine einfache, geradezu profane Geschichte: Nach einem Ehekrach reist die Frau mit dem gemeinsamen Kind ab – vielleicht für zwei Wochen, vielleicht für immer. Allein geblieben versucht Brinkmanns Held, sich seiner Situation und den Gefühlen zu seiner Frau bewusst zu werden.
Verwirrung, Abhängigkeit und Unsicherheit sind die Themen des Romans, die Brinkmann wie besessen umkreist. Dabei wütet er gegen das eheliche Miteinander und prägt einen ebenso respektlosen wie trotzigen Blick auf die sozialen Gegebenheiten der bundesdeutschen Gesellschaft.
„Keiner weiß mehr“ nahm Fragestellungen vorweg, mit denen sich viele Künstler auch heute noch konfrontiert sehen: Inwiefern ist es überhaupt möglich, Kunst gegen den Alltagstrott in Stellung zu bringen? Schauspieler und Musiker haben sich zusammengefunden, um „Keiner weiß mehr” auf die Bühne zu bringen. Der Roman – eigentlich ein Monolog – wird in Auszügen von Julia Hummer, Robert Stadlober (Verschwende deine Jugend) und Michael Weber (Schauspiel Köln) gelesen. Unterbrochen wird die Stimmencollage durch Musikstücke, die bestimmte Motive der Brinkmannschen Prosa aufgreifen.
Interpretiert u.a. von Christiane Rösinger (Musikerin, Autorin), Peter Thiessen (Kante), Sandra und Kerstin Grether (Doctorella), Carsten Hellberg (Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs) u.v.a.
Künstlerische Leitung: Lasse Koch
Sprecher: Robert Stadlober, Julia Hummer, Michael Weber
Musik: Christiane Rösinger, Peter Thiessen, Sandra & Kerstin Grether, Oliver Koch, Carsten Hellberg, Florian Dürrmann, Lars Horl
Eine Veranstaltung von Jungle World & OPAK, präsentiert von Zitty und taz.